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Aktuelles
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13. Karlsruher Tagung

Das architektonische Erbe – Freitag, 26. Februar 2016 und Exkursion am 27. Februar 2016
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Rückblick auf die 13. Tagung

„WOHNEN“, eines der  großen Themen der Architektur der Moderne, stand diesmal im Focus des internationalen Austauschs zum aktuellen Umgang mit der Architektur der Moderne. Wohnen ist eines der wichtigsten Themen im gesamten 20. Jahrhundert geblieben, angefangen mit Wohnmodellen, Stadt- und Landschaftsplanungen der klassischen Moderne, Bauten der „Avantgarde“, den Einflüssen des CIAM bis hin zu aktuellen Tendenzen wie Passivhaustechnologien, Plusenergiehäuser und Smart Cities.

DIE MODERNE schuf zahlreiche Projekte mit Modellcharakter, Utopien, neue wissenschaftliche Disziplinen, neue Produktionsweisen und Organisationsformen und gewann Einfluss weltweit.  Die 13. Karlsruher Tagung bot nun einen konzentrierten Diskurs zur Lage und eine Exkursion zu aktuellen Wohn-Projekten mit wesentlichen Fragen um Zukunftsperspektiven, um aktualisierte Kriterien und um zukünftige Strategien für den Umgang mit Architektur der Moderne.

Die Ernst-May-Gesellschaft war in diesem Jahr wichtiger Kooperationspartner der Tagungsreihe, die jährlich vom KARLSRUHER INSTITUT FÜR TECHNOLOGIE (KIT) in der Fakultät für Architektur Karlsruhe unter Leitung von Alex Dill veranstaltet wird.

Das Ziel und Aufgabe der Tagung war, aus dem riesigen Spektrum des Themas WOHNEN einige wesentliche Entwicklungen zur Architektur des Wohnens im 20. Jahrhunderts herauszugreifen, diese ausgewählten Beispiele eingehender als üblich zu diskutieren und aus der aktuellen Perspektive, mit Blick in die nahe Zukunft, zu werten.

DAS NEUE BAUEN und die Siedlungen von Ernst-May und seinem internationalen Team war eines der ausgesuchten Schwerpunkte neben den Werkbundsiedlungen in Europa, den Großsiedlungen der 60er und 70er Jahre und den aktuellen Beispielen von Forschungs- und Pflegestandards von besonders wertvoller Architektur des 20. Jahrhundert in Europa.  

 

Die Vorträge

Dr. Eckhard Herrel, eingeladen zum Thema „Das Neue Bauen / Genie und Zeitgeist im Wandel“, bot den über 230 Gästen der Tagung eine aktuelle Analyse und Perspektive der ... Siedlungen in Frankfurt. Er zeigte in seinem Vortrag sehr eindrücklich, welche Bedingungen und Entwicklungen in der Rekordzeit von nur fünf Jahren zu den erstaunlichen Ergebnissen und Qualitäten im Planen und Bauen der konzeptionell sehr verschiedenen Siedlungen führten. Er gab auch einen Überblick über die aktuelle Lage und eine Einschätzung dessen, was insbesondere durch besonnene Planung und Pflege sofort und in Zukunft notwendig ist, um den Siedlungen eine baukulturell angemessene Zukunft zu erhalten oder zu erschließen.

Dazu konnte Professor Ulrich Scheffler sehr eindrücklich aus seiner Arbeit für die Wohnungsbauten von Mart Stam in der Hellerhofsiedlung berichten. Seine Fallstudie zeigte auf, welche dringend notwendigen Chancen des sensiblen Umgangs, ausgehend von einer eingehenden Bauforschung, in der geduldigen Kooperation mit den Eigentümergesellschaften im großen und im kleinen Maßstab erzielt werden können.

Dr. Robert Kaltenbrunner vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung in Bonn und Berlin weist im Eingangsvortrag zum Thema „Zur Zukunft der Architektur und des Wohnungsbaus des 21. Jahrhunderts“ darauf hin dass es grundsätzlich zwischen Neubau und Bestand den Unterschied gibt, dass Neubau aktuellste Innovationen aufgreifen muss und intelligente Experimentierfreude braucht hingegen Bestand den Reset, im Sinne einer innovativen Angemessenheit und Neuinterpretation der Potentiale braucht, beides unter stärkerer Beachtung des Wohnumfeldes, des Quartiers, des urbanen Raums. Er formuliert zum Wohnen 7 Punkte, z.B. Wohnen und Wohnungsbau müsse nicht neu erfunden werden und nicht alles was machbar sei, sei wünschenswert.

Professor Vladimir Slapeta aus Prag sprach in seinem Beitrag „Die Werkbundsiedlungen / Eine europäische Architekturgeschichte“ über die intensiven biografischen Verflechtungen in Europa und zeigte die Unterschiedlichkeit der Konzepte, mit denen die Werkbundsiedlungen angetreten waren und ihre erstaunliche konzeptionelle Progressivität und Vielfalt. Ihre Ergebnisse sind einzigartige Beispiele europäischer Architekturgeschichte. Die davon ausgehenden Impulse für den öffentlich geförderten Wohnungsbau, Stadtplanungen und den privaten Wohnungsbau sind  spektakulär und erzeugten seinerzeit heftige Kontroversen. Deshalb sind sie besonders wichtig als beispielgebende herausragende Bauforschung, vorbildlichen Umgang in Sanierung und Pflege und in der sensiblen nachhaltigen Nutzung als Europäisches Architekturerbe.

Bernhard Kohlenbach, Beauftragter des Senats für die Großsiedlungen in Berlin zeigte die Bedeutung der Großsiedlung in ihrer Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte und analysierte die aktuelle Situation. Absichtlich stellte er zu den Sattelitenstädten des ehemaligen Ost-und Westberlin die Frage nach dem angemessenen Denkmalschutz und den Perspektiven.

Der Vorsitzende des Deutschen Werkbunds Baden-Württemberg Alexander Grünenwald zeigte Projekte die ebenfalls einen planerisch  sehr interessanten,  innovativen Umgang mit Großsiedlungen demonstrierten, Strategien des Umgangs mit Abwanderung und Rückbau aber auch mit Erneuerung  durch architektonische Eingriffe, Stärkung der Ästhetik und durch Partizipationsmodelle und Initiativen.

Die weltbekannte Siedlung Halen bei Bern, geplant und gebaut von den Architekten des Atelier 5 war eine weitere prominete Fallstudie. Professor Bernhard Furrer aus Bern zeigte äußerst klar und überzeugend, wie die komplexen Aspekte einer auf Gemeinschaft ausgerichteten aber gleichzeitig Individualität des Wohnens verkörpernde sehr kompakte Architektur in einzigartiger Lage aktuell analysiert, planerisch professionell begleitet, denkmalpflegerisch aufgrund aktuellster Standards diskutiert und schließlich angemessen und nachhaltig saniert werden kann.

Die „Zeitlosigkeit in den Wohnungsbauten von Otto Rudolf Salvisberg“ konnte Dr. Theresia Gürtler-Berger aus Luzern anhand ausgewählter früher Villen-Projekte bis hinein in spätere Wohnhausbauten nachweisen, zum Teil exklusive Details, z.B. der großzügige Wohnraum, das Panoramafenster, die elegante Treppe, ein Wasserbecken an der Terrasse, Elemente die in späteren einfachsten aber wunderschönen Bungalows von Richard Neutra z.B. in seinen deutschen Wohnsiedlungen den Luxus ausmachen und die Wohnkultur sind.

Schließlich gab Georg Matzka mit seiner Fallstudie Einblicke in seine Arbeiten und Auseinandersetzung mit der denkmalgerechten und energetischen Sanierung von Geschosswohnungsbauten von 1929 in der Dammerstocksiedlung in Karlsruhe. Glücklicherweise ist dort vorbildlich auch eine kleine Wohnung als Musterwohnung realisiert worden, die Benutzern, Besuchern und Fachleuten jederzeit gezeigt werden kann und zur angemessenen Nutzung aller Wohnungen und zum Verständnis  von großem Nutzen ist.

Die abschließende Podiumsdiskussion unter Leitung von Professorin Kerstin Gothe konnten wesentliche Fragen wie zum Beispiel - Wer trägt tatsächlich die Verantwortung – und nachdenkliche Statements und Forderungen der Expertenrunde aufgegriffen und das Publikum mit einbeziehend diskutiert werden.

Die wichtigste Forderung ist, das Verständnis noch stärker als bisher zu wecken, alle Formen einer sinnvollen Information und Aufklärung  durch alle Beteiligten wahrzunehmen und zu nutzen und in interdisziplinärer Zusammenarbeit, unter Einbeziehung der Bewohner verantwortlich für Erhaltung und Pflege nachhaltig engagiert zu arbeiten.

Die Exkursion

„WOHNEN – und die Architektur der Moderne“
EXKURSION „WOHNBUS-TOUR“       
Ludwigshafen - Frankfurt  
Satellitenstädte    

Die Ludwigshafener Hohenzollernhöfe, ein historischer Wohnblock, der von der BASF AG im Jahre 1923 mit rund 180 Wohnungen für Angestellte der BASF erbaut wurde ist ein städtebauliches Ensemble aus der Blütezeit der Industrialisierung der Industriestädte Mannheim und Ludwigshafen.

Mit der umfassenden Modernisierung und energetischen Sanierung dieses denkmalgeschützten Ensembles schuf die heutige BASF Wohnen + Bauen mit intensiver Bewohnerbeteiligung ein generationenübergreifendes, nachhaltiges und attraktives Wohnmodell mit dem inklusiven Wohnprojekt von Menschen mit und ohne Behinderung innerhalb der Hohenzollernhöfe (IGLU).

Der projektbegleitende Moderationsprozess mit der Bewohnerschaft wurde von der Bau-Wohnberatung Karlsruhe geleitet, die auch mit der Berichterstattung im Rahmen der Begleitforschung beauftragt war.

Das Projekt wurde im Rahmen der Bundesprogramms Nationale Stadtentwicklung

„Die Stadt von Morgen – Klimaschutz und globale Verantwortung” gefördert und 2013 mit dem Rheinland-Pfälzischen Staatspreis Architektur und Wohnungsbau ausgezeichnet. Architekt Alexander Grünenwald, Vorsitzender des Deutschen Werkbund Baden-Württemberg, führte durch das ambitionierte Projekt.

 

Die Ernst-May Siedlungen Frankfurt am Main, das herausragende architektonische Erbe des Neuen Bauens in Frankfurt, Ausstellung zum CIAM Kongress 1929 unter dem Thema „Bauen für das Existenzminimum“, ist mit seinen insgesamt 26 Siedlungen für 15.000 preisgünstige Wohnungen innerhalb von 5 Jahren Planung und Realisierung heute noch eine außerordentliche architektonische Meisterleistung die unbedingte eingehende Aufmerksamkeit verdient. Ausgewählte Beispiele

- Siedlung Westhausen

- Siedlung Römerstadt und Ernst-May-Haus

- Siedlung Hellerhof

 

In den Fachführungen durch aktuelle Erhaltungs- und Sanierungs-Projekte in den Ernst-May-Siedlungen informierten und berichteten Dipl.-Ing. Heinz Wionski vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Katharina Pilz, Leiterin Vertrieb Bestandverwaltung, Nassauische Heimstätte, Architekt Prof. Dipl.-Ing. Ulrich Scheffler und Dr. Eckhard Herrel, Vorsitzender der Ernst-May-Gesellschaft.

 

Zur Tagung wird eine ausführliche Dokumentation erstellt, die ab Sommer über den Veranstalter zu beziehen sein wird.

 

(Alex Dill)

 

Information

Organisation
KIT – Karlsruher Institut für Technologie 
Fakultät für Architektur 
Institut Entwerfen, Kunst und Theorie         
Akademischer Oberrat Dipl.-Ing. Alex Dill     
Englerstrasse 7 
76131 Karlsruhe 
Tel. 0721 608 43750 / 608 45246            
Mobil 0152 01600779 
alex.dill∂kit.edu 
http://am.ekut.kit.edu/ 

 

Weitere Partner:

  • docomomo Deutschland e. V. 
  • Deutscher Werkbund Baden-Württemberg 
  • Bund Deutscher Architekten (BDA), 
  • Kreisgruppe Karlsruhe 
  • Architektenkammer Baden-Württemberg, Kammergruppe Karlsruhe 
  • Beton Marketing Süd GmbH
  • Paul Feederle GmbH
  • Landesamt für Denkmalpflege Hessen
  • Ernst-May-Gesellschaft

 

Veranstaltungsort
KIT – Karlsruher Institut für Technologie 
Fakultät für Architektur 
Hörsaal Fritz Haller / Gebäude 20.40 / EG 
Englerstraße 7 
76131 Karlsruhe 
Tel. +49 (0)721 608 43750 oder 608 45246 

 

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