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Memoriam Christo

Christo und Jeanne-Claude am KIT

Am 31. Mai starb der international anerkannte Künstler Christo. 1994 waren er und seine Mitstreiterin Jeanne-Claude aus Anlass der Feier zum 70. Geburtstag von Fritz Haller für einen Vortag an der Fakultät. Emeritus Niklaus Kohler und der damalige Assistent von Fritz Haller, Hartmut Ayrle, erinnern sich.

Das Künstlerpaar Christo und Jeanne-Claude (https://christojeanneclaude.net) hat immer an verschiedenen Projekten zugleich gearbeitet. Kam ein Projekt zur Ausführung, organisierten sie Vorträge in mehreren Städten, um die Projekte zu finanzieren. Christo und Jeanne-Claude finanzierten und organisierten ihre Projekte grundsätzlich völlig unabhängig, ohne jedes «Sponsoring». Für die Verhüllung des Berliner Reichstages (1995) wurde eine Projektgruppe gebildet in der sehr verschiedene Fachleute zusammenarbeiteten. Das Projekt war sehr anspruchsvoll. Hartmut Ayrle arbeitete als Forscher am Institut für Industrielle Bauproduktion (ifib) der Architekturfakultät, dem Vorgänger des heutigen Fachgebiets Building Lifecycle Management. Er war vom Christos Projekt fasziniert und wurde kurzfristig als leitender Architekt engagiert. Die Mitarbeiter*innen des ifib verfolgten mit Spannung den komplexen Planungs- und Realsierungsablauf.

Zur gleichen Zeit diskutierte das ifib über ein Geschenk zum 70. Geburtstag von Fritz Haller, dem Emeritus des ifib. Hartmut Ayrle machte den Vorschlag Christo zu dieser Gelegenheit zu einem Vortrag an die Architekturfakultät einzuladen – ohne dass Fritz Haller etwas davon wusste. Am Tag des Vortrags war das Publikumsinteresse so groß, dass zweimal der Saal gewechselt werden musste. Als Fritz Haller ahnungslos durch die Seitentüre eintrat, erhielt er Standing Ovations und traf zum ersten Mal Christo und Jeanne-Claude auf der Bühne. Der Vortrag von Christo hatte etwa 10 Minuten gedauert, als Fritz Haller plötzlich nicht mehr richtig sehen konnte. Das Licht ging an und ein Arzt und die Ambulanz trafen kurz danach ein und Fritz Haller wurde auf einer Bahre herausgetragen. Der Vortag ging weiter, Christo und Jeanne-Claude waren brillant und am Ende des Vortrags wurde mitgeteilt, dass sich Fitz Haller wieder erholt habe. Es waren einfach zu viele Emotionen.

Während dieses Vortrags sagte Jeanne-Claude auf die Frage, warum sie keine dauerhaften Objekte schaffen würden: Unsere Werke sind wie ein Regenbogen: sie sind wunderschön, sie machen die Menschen staunen; niemand weiss, wann sie auftauchen und wann sie verschwinden, sie gehören niemandem, man kann sie nicht mitnehmen; was bleibt ist allein das Bild in unseren Herzen.

Fritz Haller, Jeanne Claude und Christo haben uns verlassen. Sie haben uns beeindruckt und sie haben uns begeistert, und sie haben Bilder in unsere Herzen gelegt.

Niklaus Kohler, Hartmut Ayrle

 

Fotos: Thilo Mechau, KIT-Archiv