Verleihung der Ehrendoktorwürde an Herr Matthias Schuler durch die KIT-Fakultät für Architektur

Am 20. Mai 2026 wird Matthias Schuler für seine herausragenden Verdienste um die an der KIT-Fakultät vertretenen Lehr- und Forschungsgebiete der Architektur, insbesondere des integralen Planens und des klimagerechten Bauens, die Ehrendoktorwürde verliehen
Zeichnung

Herr Schuler, Jg. 1958, hat als Ingenieur eine einzigartige Karriere in der Welt der Architektur vorzuweisen, indem er mit dem von ihm eingeführten KlimaEngineering eine völlig neue Sicht- und Herangehens-weise in der Gebäude- bzw. Raumklimaplanung geprägt und in unzähligen realisierten Bauten erfolgreich umgesetzt hat.

Als Gründer des 1992 ins Leben gerufenen Büros Transsolar ist er ein Pionier des klimagerechten, energieeffizienten und ressourcensparenden Bauens, was zu Beginn seiner Büropraxis noch alles andere als "en vogue" oder gar über Normen oder Standards abgesichert war. Schon während seines Maschinenbaustudiums an der Universität Stuttgart setzte er sich mit Technologien zur rationellen Energienutzung auseinander, um diese dann im erweiterten Sinne in die Architektur einzubringen – allerdings nicht als reine technische Applikation oder "add-on", sondern als integrale Bestandteile entwurfsbasierter Raumklima- und Energiekonzepte.

Seine Reputation spiegelt sich nicht nur in der hohen Anerkennung für die von ihm mit realisierten Gebäude wider, sondern u.a. auch durch die Berufung an die Harvard Graduate School of Design zunächst als Gastprofessor und dann als Adjunct Professor über einen Zeitraum von insgesamt 14 Jahren (2001 bis 2014).

Die KIT-Fakultät für Architektur hat sich für eine Würdigung von Herrn Matthias Schuler ausgesprochen, da er sehr konsequent und frühzeitig eine neue Denk- und Arbeitsweise in der Gebäudeplanung vertreten und etabliert hat.

Sein Ansatz der Gebäude- bzw. Raumklimaplanung stellt nicht alleinig – wie heute immer noch vielfach üblich – die Gebäudetechnik ins Zentrum einer Lösung, sondern macht vielmehr das Gebäude selbst – durch kluges Ausloten und Ausnutzen physikalischer Grundprinzipien – zum Ausgangspunkt eines Raumklimakonzepts mit hohem Nutzerkomfort bei gleichzeitig möglichst geringem Energie- und Ressourceneinsatz. Dabei sieht er sich als Partner von Architektinnen und Architekten von Beginn eines Entwurfs an, um diesen im Sinnen eines integralen Planungsprozesses gemeinsam zu entwickeln.

Seine visionären und innovativen Ansätze erweckten schnell Aufmerksamkeit und seitdem arbeiten Matthias Schuler und das Büro Transsolar – heute mit 85 Mitarbeitern in Stuttgart, München, Paris und New York – mit allen namhaften Architekturbüros auf der ganzen Welt zusammen.

Das Spektrum der von ihm selbst betreuten Projekte umfasst dabei sowohl einzelne Gebäude mit Bruttogeschoßflächen von 7 m² (Vitra Diogene, Weil am Rhein, Deutschland; Architektur Renzo Piano Building Workshop) bis über 200.000 m² (O’Hare Global Terminal ORD21, Chicago, IL, USA; Architektur Studio Gang, Solomon Cordwell Buenz) als auch stadtklimatische Konzepte (Masterplan Masdar City, Abu Dha-bi, VAE, Architektur Foster + Partners, BGF 640 ha) bzw. Kunstobjekte (Cloudscapes – Internationale Architektur-Biennale Venedig, Italien 2010 und ZKM Karlsruhe, Deutschland 2013; Architektur Tetsuo Kondo). Viele weitere Projekte sind aus dem Lebenslauf ersichtlich.

Allen Projekten des Büros Transsolar gemein ist, dass die innovativen Klima- und Energiekonzepte jeweils spezifisch auf Basis der jeweiligen Rahmenbedingungen entwickelt werden und somit auf den Ort, die klimatischen Gegebenheiten sowie den Entwurfsansatz eingehen. Matthias Schuler stellt den Nutzerkomfort ins Zentrum seiner Überlegungen – er sieht KlimaEngineering in der Pflicht, Mensch und Umwelt gleichermaßen gerecht zu behandeln.

Im Sinne eines forschenden Bauens werden Raumklimakonzepte häufig vor Baubeginn an Mock-Ups getestet oder über Messungen im fertigen Objekt verifiziert bzw. angepasst. Besonders hervorzuheben ist, dass Transsolar seine eigene Planungssoftware – ein (auch kommerziell vertriebenes) dynamisches Gebäudesimulationsprogramm – selbst entwickelt hat und anhand der Anforderungen aus eigenen Projekten auch stets um neue Teilmodelle erweitert, um möglichst genaue Vorhersagen zum Raumklima und Komfort machen zu können bzw. den Einfluss verschiedener Parameter einschätzen zu können.

Neben der schon erwähnten Lehrtätigkeit in Harvard und weiteren Lehraufträgen an verschiedenen Hochschulen ist das Engagement von Matthias Schuler in der 2013 ins Leben gerufenen Transsolar World Academy zu erwähnen. Über Lehrveranstaltungen mit internationalen Studierenden werden eigene Ansätze auf den Prüfstand gestellt und die Vernetzung mit Studierenden und Akteuren aus Forschung und Entwicklung bringt immer wieder neue Ideen für Verbesserungen.

Der Mut von Matthias Schuler, dass er seinen Ansatz des KlimaEngineerings so früh und konsequent eingeschlagen und fortgeführt hat, ist beispielgebend für unsere Studierenden, aber auch für den wissenschaftlichen Nachwuchs für die Entwicklung eigener Forschungsideen in dem Feld.

Die KIT-Fakultät für Architektur freut sich außerordentlich, die herausragenden Verdienste von Herr Matthias Schuler durch eine Promotion ehrenhalber zu würdigen.

Der Festakt zur Verleihung der Ehrendoktorwürde findet am Mittwoch, 20. Mai 2026, 18 Uhr im Fritz-Haller-Hörsaal der KIT-Fakultät für Architektur, Englerstraße 7, 76131 Karlsruhe statt.


Programm

Begrüßung
    Prof.’in Dr. Barbara Engel
    Dekanin der Fakultät

    Prof. Andreas Wagner
    Prodekan Forschung an der Fakultät

Grußworte
    Prof. Dr. Kraft
    Vizepräsident für Forschung und akademische Angelegenheiten am KIT

    Steven Holl
    Steven Holl Architects, New York (online)

Laudatio
    Antón García-Abril
    ensemble architects, Madrid

Festvortrag
    Matthias Schuler
    Transsolar KlimaEngineering, Stuttgart

Anschließend Empfang im Foyer EG + Innenhof